Ein Projekt wandelt sich

Es ist eine Zeit her als der erste Gedanke in meinen Kopf rumwirbelte. Ich war, wie so oft in dieser Zeit, umgetrieben von der Frage wie ich in Zukunft arbeiten möchte. Es ist ein Privileg, meines Erachtens, sich diese Frage zu stellen. Sich diese Frage stellen zu können.

Nun ich bin nun 39 Jahre alt, habe ein sehr interesantes Leben bisher gelebt. Subjektiv betrachtet 😉 Viele Stationen haben mich hier her geführt. Als im Jahr 2009 Media Sozial durch die Idee und Motivation von Michael, Felix und mir zur Wirklichkeit wurde, war es für mich, wie vieles Andere auch ein Projekt. Neben dem Studium der Sozialen Arbeit. Was ich in den ersten Studientagen für mich verinnerlichte, ein Fazit oder eine Kernaussage zu diesem Zeitpunkt war, spezialisiere dich! Ich mochte den Umgang mit Computern, war schon immer fasziniert von Hackern und war begeistert von der Sozialen Arbeit. Die Kombination war ein gangbarer Weg. Ich studierte nach dem Bachelor Soziale Arbeit und danach an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten den Master Medien und Bildungsmanagement. Teilfinanziert durch ein Stipendium der Friedrich Ebert Stiftung konnte ich mein Wissen vertiefen. Parallel bot ich die Medienkompetenz Standards wie Facebook-Sicherheits-Workshops oder Cybermobbing-Seminare an verschiedenen Schulen und Bildungstägern in der Region an. Zielgruppen unspeziefisch. Kinder, Jugendliche, Eltern, Senioren und Kombinationen aus allen. Ein wilder Dschungel an Medienkompetenz-Angeboten. Hacker war ich nicht, wollte ich irgendwie auch nicht mehr sein, aber die neue Idee der Shared Economy traf mich.

Ich möchte Dir die ganzen Fazits ersparen zu diesem Zeitpunkt. Wesentlich war für mich jedoch eins: Wir haben hier ein massiveres Problem als hier offen diskutiert wird. Ich nenne es mal eine Sonderform des Digital Divide, eine Trennung innerhalb der Gesellschaft. Diejenigen die im sozialen Bereich, im Bildungsbereich und im Gesundheitsbereich arbeiten haben eklatante Medienkompetenz Probleme. Und zwar in Form von Produktion von digitalen Medien als Wissens- & Informationsmedien. Sozialpädagogen, Lehrer, Erzieherinnen oder Krankenpflegerinnen verfügen in Deutschland über ein Wissen und eine Kompetenz die Weltweit Einzigartig ist. OK halten wir mal fest: Die Sozis und Lehrer und Pfleger haben viel Know-How!
Man muss keine Leuchte sein um zu wissen, dass in den  vorgenannten Berufen unter normalen Bedingungen keine gerecht entlohnte Arbeit statt findet. Es ist egal ob eine Sozialpädagogin im Jugendamt 2400€ brutto verdient und einen 8:00-16:00 Job hat oder ein Lehrer A13 bekommt und durch seine Beamtung eventuell die Handschellen der Innovationsbremse eingeht. Es ist sogar egal ob ein Altenpfleger sich privat fortgebildet hat und nun sogar noch eine spezielle Mobilitätspauschale erhält. Es ist beschämend und menschenverachtend wie hier Expertise entloht wird. OK halten wir mal weiter fest: Die Bezahlung im Verhältnis zur Kompetenz, des Zukunftsweisenden Bereichs sowie des sensibelsten Bereichs einer Gesellschaft (Bildung, Soziales, Gesundheit) ist schon fast grotesk.
Und jetzt stolpert da die Gallup Studie durchs Netz. Der Engangement Index der berufstätigen Bevölkerung in repräsentativer Form. Es zeigt sich, auch wenn Teilbereiche leicht schwanken, dass deutsche Arbeitnehmer (Solo-Selbständige wurden nicht erhoben) zu 2/3 „innerlich“ gekündigt haben und Dienst nach Vorschrift ableisten. Meine Güte!!! Wo leben wir denn bitte, wenn ein so hoher Anteil von Menschen in Arbeit kein Bock mehr auf die Arbeit haben. Da fragt sich keiner „wie“ er arbeiten will. Es ist Routine und Broterwerb. Sinn und Vision weichen Alltag und idividuellen Lebensdramen. OK halten wir mal fast abschließend diese ernüchternde Nummer auch noch fest: Wir haben kein Bock mehr. Uns fehlt die Motivation und der Sinn für Arbeit.
Da ich Dir nicht zumute die gleichen Bücher oder Blogs zu lesen wie ich, möchte ich nur kurz einige wichtige Punkte nennen die mich während der vorgenannten Erkenntnisse begleiteten: Die Idee der Shared Economy, Freie Kultur, Freies Wissen, Solopreneuren, Podcasten und Social Media, vornehmlich in Deutschland und den USA. Ich war wirklich im Flow und meine Erkenntnisse überschlugen sich. Ich denke, wir brauchen neue Wege für Menschen in diesem Sektor. Und so sind wir beim Titel dieses Posts „Ein Projekt wandelt sich“. Media Sozial bietet zusammen mit EntwicklungsBüro.org ab sofort Programme und Produkte an, die Menschen in den oben genannten Bereichen, einen Weg aus dem destruktiven Strudel der sinnentleerten Arbeit und hinein in ein SoloDigitalExpertentum zeigt.
Bis dahin. Frohes Umdenken.
Marc