Alles scheisse. Alles blöd.

Ich unterhalte mich gerne mit verschiedenen Leuten über das, was das Internet so alles bereitstellt. Oder ich lausche gerne bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel, was andere so über das Netz erzählen. Die Worte „Facebook“, „Blog“ und „Twitter“ fallen wirklich ziemlich oft muss ich sagen. Mein Ohr ist auf die Schlagworte wahrscheinlich schon ziemlich gut sensibilisiert. Aber ja, manches davon nervt mich einfach. Daher möchte ich mal ein paar weniger konstruktive Zeilen ablassen.

Gerade bei Erwachsenen habe ich so das Gefühl, dass sie dem Internet gegenüber eine negative Grundhaltung haben. Soziale Netzwerke sind gefährlich, Google und ganz besonders Streetview ist böse und schlecht. Okay, denke ich mir, wenn etwas darüber in den Nachrichten kommt, dann meistens auch nur Negatives. Dazu gibt es derzeit auch die Sendung Tatort Internet, die sicher auch nicht für ein positives Image wirbt. Oder eine aktuelle Kampagne aus Bayern, Was spielt mein Kind?, die darauf hinweist, dass Computerspielen böse ist. Das Bild mit dem Kind, das da völlig apathisch in einem dunklen Zimmer vor dem Bildschirm sitzt, erzeugt bei mir nur ein Kopfschütteln. Eine Neu-Auflage des Kellerkindes, hurra.

Es gibt auch komische Seiten wie z.B. Nur ein Mausklick bis zum Grauen , die mit dem reisserischen Titel die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Aber wem ist dadurch geholfen, wenn nur das Negative hervorgehoben wird?

Oder Seiten wie kindersindtabu.de, deren Sinn und Zweck ich garnicht verstehe.

Und das geht mir ehrlich gesagt ziemlich auf den Sack. Sind die Möglichkeiten, die das Internet bereithält so offensichtlich, dass es nicht nötig ist sie zu erwähnen? Wieso heissen die Workshops und Vorträge zum Thema Medien / Internet immer „Gefahren und Möglichkeiten“ ? Ja, auch wir haben solche Vorträge. Aber ich würde lieber coole Workshops machen, bei denen das Netz und der Computer die Werkzeuge sind, mit denen gemeinsam etwas erarbeitet wird. Ich bin der Meinung, dass dadurch sowieso viel mehr gelernt wird, als durch die ständige Panikmache und den bösen Zeigefinger. Wenn ich weiss wie etwas funktioniert, kann ich mich auch richtig damit auseinandersetzen. Um zu wissen wie etwas funktioniert, ist es doch am besten, wenn ich es ausprobiere? Die Möglichkeiten sollten inzwischen zuerst genannt werden und dann mögliche Risiken. Vor lauter Gefahren verschwinden die Chancen. Und wenn etwas scheinbar so viele Risiken und Gefahren beinhaltet, wieso soll man sich dann überhaupt damit beschäftigen. Nach dem Motto: „Dann lass ich lieber die Finger davon, dann passiert mir nichts.“ Und am Ende finden alle das Netz blöd, weil es viel zu gefährlich ist.

Statt alles, was mit dem Netz zu tun hat per se zu verteufeln, kann man sich doch versuchen zu informieren. Meiner bescheidenen Meinung nach sind Seite wie klicksafe.deinternet-abc.de oder irights.info (zum Thema Urheberrecht) eigentlich ziemlich gute Anlaufstellen. Und dort gibt es natürlich noch mehr Links.

Das Motto des anstehenden Safer Internet Day: „It’s more than a game, it’s your life“, heisst für mich „Im Internet kann man nicht nur spielen, sondern auch gemeinsam etwas cooles, sinnvolles und natürlich auch sinnfreies erreichen.“

4 Kommentare
  1. Avatar
    Maria sagte:

    Hallo,

    endlich mal jemand, der auch darüber schreibt, das nicht alles schlecht ist, womit es Kinder im Internet zu tun haben. Leider überwiegen momentan die negativen Berichterstattung über den positiven. Es wird Zeit wieder mal was positives zu schreiben.

    gruß

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  2. Avatar
    Michael sagte:

    Stimme dir vollkommen zu. Leider ist es so, dass Fördergelder (sei es vom Land, Stiftungen oder was auch immer) eher für die Betonung der Gefahrenseite fließen. "Medien aber sicher" ist für Politiker attraktiver als "Entdecke die Möglichkeiten". Gleiches gilt für Lehrerfortbildungen und Elternabende, "Gefahren in sozialen Netzwerken" lockt mehr Teilnehmer an, als "Neue Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten im Web 2.0".

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  3. Avatar
    mario sagte:

    eventuell lässt sich die ganze hysterie auch mit der ohnmacht gegenüber dieser dienste und des mediums im allgemeinen erklären.

    für viele menschen – gerade für jene aus koservativ-etablierteren milieus – gibt es nunmal keine definierten pfade und mittel, sich gegen inhalte oder bestimmte spins zu wehren, die auf twitter/facebook laufen. populärstes beispiel dafür sind diese (vielleicht auch konstruierten) "mein kind will sich bewerben und hat sauf-fotos im netz"-panik-szenarien.

    klar – es is schwierig, wenn jeder 11-jährige plötzlich werkzeuge an der hand hat, um damit weltweit publizieren zu können. problamtisch ist aber eher, dass die betreiber der plattformen sich gerade in deutschland zu unzugänglich zeigen und nur unzureichend mit der öffentlichkeit dazu kommunizieren. ich denke, dass die betreiber in ihrer kommunikation transparenter auftreten und die ängste ernster nehmen sollten. wenn die es nämlich nicht machen, macht's stattdessen die bild-zeitung.

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  4. Avatar
    David Loony sagte:

    Finde ich echt gut dein Text, und bin voll und ganz deiner Meinung. Ich weiß auch nicht was die alle haben. Hacker und sowas finde ich mies. Aber im grunde iss das Internet für mich mehr Positiv wie Negativ. Ich hatte auch nie verstanden was die TV sender ständig mit Facebook hatten. Ich bin selber da, und wer es nicht mag soll sich wieder abmelden,ganz einfach

    LG

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