E-Mail-Verteiler als Dienstleistungszentrale

Diese Idee hatte ich schon ein paar Leuten vorgestellt, aber die Resonanz war jetzt nicht so prickelnd. Ich find das aber eigentlich eine gute Sache, die aber sicher noch ausbaufähig ist. Vielleicht interessiert sich ja das Internet dafür 🙂

Dieses Semester war ich auf 2 Zukunftswerkstätten zum Thema „Fitt im Alter“, bei denen es darum ging, zu schauen, wie die Bürger in Zukunft in ihrer Gemeinde leben wollen und können. Bei beiden Terminen saß ich an dem Tisch zum Thema Mobilität. Beides Mal
ging es um das selbe Problem: ohne Auto sind die Bürger meist ziemlich hilflos. Die Busverbindungen sind teilweise auch unbefridiegend. Geklagt wurde, dass es schon eine halbe Weltreise sei, wenn man nur einkaufen wollte. Aber auch Arztbesuche beanspruchen wegen der unzureichenden Busverbindungen eine menge Zeit. Natürlich seien die Kinder oder Enkel zwar noch da, aber man wolle diese ja auch nicht immer Fragen.

Natürlich gab es auch Lösungsvorschläge wie zum Beispiel ein Bürgerbus oder die Anpassung der Busverbindungen. Am besten gefiel mir aber ein Satz: „Wir müssten einfach mehr miteinander reden, wir kennen uns doch alle.“ Absolut richtig. Eigentlich kennen sich die Menschen dort ja, und eigentlich könnte man ja bescheid geben, wenn ein Einkauf bzw. eine Fahrt getätigt wird.

Da musste ich an die Mitfahrgelegenheit denken, die mir schon oft eine günstige Fahrt gebracht hat. Kurz ins Internet, Ziel eingegeben und dann telefonieren oder eine Mail schreiben. Das Prinzip ist doch großartig und man lernt immer wieder neue Leute kennen. Aber nicht jeder an einen Internetanschluss, oder will sich dafür irgendwo anmelden.

Für eine kleine Gemeinde wäre eine Mitfahrgelegenheit in Form eines einfachen E-Mail-Verteilers eine großartige Sache.
Und für Menschen, die kein Internet haben gibt es dann eine Telefonzentrale, die jeden Monat wechselt und über alles bescheid weiss.

Warum ein E-Mail-Verteiler? Das ergibt sich aus dem Nutzungsverhalten der Personen. Laut ARD/ZDF Onlinestudie werden E-Mails eigentlich von allen Altersgruppen genutzt. Die Studie zur digitalen Gesellschaft sagt, dass die Gelegenheitsnutzer ebenfalls E-Mails nutzen.

Ich stell mir das so vor:
Die Gemeinde Zwergnau möchtet die Idee als Pilotprojekt ausprobieren. Es wird ein E-Mail-Verteiler eingerichtet. Die Adresse lautet „verteiler@gemeinde-zwergnau.de“. Alle, die mitmachen wollen, müssen sich bei dem Verantwortlichen kurz vorstellen und ihre E-Mail-Adresse plus ihren Namen abgeben. Schließlich soll da ja nicht jeder mitmachen, sondern nur Bürger aus der Gemeinde und die Bürger müssen der E-Mail-Adresse zugeordnet werden können. Zunächst ist der Verteiler nur für Fahrten gedacht.

Bevor der Service starte kann, sind natürlich ein paar Informationsabende und Artikel im Gemeindeblatt notwendig. Bei den Informationsabenden wird dann das Prinzip erklärt.

Jeder, der wohhin fährt oder eine Mitfahrgelegenheit sucht, schreibt eine E-Mail an verteiler@gemeinde-zwergnau.de. Damit kein Chaos entsteht gibt es verschiedene Betreffszeilen:

[Gesuch_MFG] = Ich suche eine Mitfahrgelegenheit
[Biete_MFG] = Ich biete eine Mitfahrgelegenheit

Die E-Mail bekommen dann alle, die in diesem Verteiler angemeldet sind und können darauf antworten oder auch nicht.

Nach einer Woche haben sich 10 Leute für diesen Service angemeldet. Damit auch Personen ohne Internetzugang mitmachen können, hat sich Hubert K. bereiterklärt im ersten Monat die Telefonzentrale zu sein.

Um das weiter zu bewerben, wird im Gemeindeblatt ein Artikel veröffentlicht:

Neuer Service für Sie: Dienstleistungszentrale
Sie suchen eine Mitfahrgelegeneit zum Arzt oder fahren die Tage einkaufen?
Geben Sie uns bescheid: verteiler@gemeinde-zwergnau.de
Ohne Internet können Sie auch Hubert K. anrufen.
Hubert K. ist für sie unter der 01234-56789 von 17:00 – 19:00 Uhr erreichbar

Sollte der Verteiler angenommen werden, kann er natürlich um verschiedene Dienstleistungen erweitert werden. Zum Beispiel einfache Hilfen im Haushalt oder Garten. Ich kann mir das auch wunderbar in der Stadtteilarbeit vorstellen.

Ich gebe aber zu, dass es wohl eher in einer kleineren Gemeinde gut funktioniert. Je nach Teilnehmerzahl kann das auch unübersichtlich werden.

Meinungen dazu gerne in den Kommentaren.

2 Kommentare
  1. Avatar
    Stefan K sagte:

    Die Grundidee ist nicht schlecht, ich glaube jedoch, dass die Flut an E-Mails, die da zusammenkommt auch Senioren schnell nervt. Wenn ich an die paar E-Mail Verteiler mit ca. 20 Personen denke, derer ich schon ansichtig wurde, uäärks. Was spricht deiner Meinung nach gegen ein Forum mit Benachrichtigungsfunktion bei Antworten auf den Post?

    Die Mitglieder könnten eine einmalige Authentifizierung per Schneckenpost tätigen, es könnte bei Bedarf Einführungsseminare geben oder Video-Tutorials.

    Antworten
  2. Avatar
    Michael sagte:

    Hi!

    Im letzten Satz erwähne ich auch Deine Bedenken.
    Gegen ein Forum spricht natürlich nichts. Aber als ich auf dieser Zukunftswerkstatt war, habe ich mir überlegt, was die Anwesenden wohl am ehesten nutzen. Und das wird wohl die E-Mail sein. Wenn irgendjemand irgendwas mit dem PC und Internet macht, dann hat er auf jeden Fall eine E-Mail-Adresse. Ich behaupte mal, dass es heute immernoch so ist, auch wenn die Mail schon für tot erklärt wird.

    Und mit einer entsprechenden Einrichtung von Filtern und vernünftigten Betreffzeilen halte ich E-Mails keineswegs für zu unübersichtlich.

    Und letztendlich ist das nur eine Überlegung wie man die oben beschriebenen Umstände etwas gemütlicher gestalten könnte. Da gibt es sicher und wird es sicher geniale technische Lösungen geben. Persönlich würd' mir das via Diaspora* oder Status.net (auch wenn alles öffentlich ist) am besten gefallen.

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